Was uns Bibi, Macron, Trump über Politik und Wirtschaft lehren – #stopmakingsense

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Im Folgenden soll nicht die Qualität unserer drei Protagonisten bewertet werden. Es geht um die wertfreie Reflexion und Inspiration im Rahmen von Wirtschaft und Politik. Die Zeiten haben sich geändert. Politik und Wirtschaft noch nicht wirklich. Es wird Zeit.

Bibi

Was wir sehen
Hahaha, 300.000 Likes und 1.800.000 Dislikes, hahaha. 6x soviele Dislikes wie Likes! Hahaha, Loserin! Deutschland wie wir es lieben.

Was Bibi sieht
Hihihi, 25.446.346(!) Views – in 4(!) Tagen und NUR 1.800.000 Dislikes! 7% Dislikes – da lach’ ich doch drüber. Denn jetzt läuft zB AUDI-Werbung als Pre-Roll-Ad. Und all die Views kommen nur durch die Hater und Neidhammel. Danke Euch, liebe Neider!

Was wir sehen könnten
Eine selbstbewusste, mutige Bibi, die Geschäftssinn hat, auch wenn das bei uns etwas Schlimmes ist – und einfach ihr Ding macht. Mut und Stehvermögen werden belohnt.

Reibung erzeugt Funken! Funken bedeuten Diskurs und Diskussion.

Von Bibi können Marken,  Unternehmen, die großen Parteien viel lernen: zur Marke, Aussage, Handlung stehen, einen Moment Luft holen, reflektieren, die eigene Fan-Base wirklich kennen, sich auch mal auf unbekanntes Terrain wagen, sich nicht unterkriegen lassen, sich einfach mal vom Shitstorm tragen lassen, Werbung oder Produkt nicht übereilt zurückziehen.

Reibung erzeugt Funken! Funken bedeuten Diskurs und Diskussion. Diskussion bringt mediale Aufmerksamkeit. Ein qualitativ hochwertigerer Song hätte einen Bruchteil der jetzigen Aufmerksamkeit bekommen – was wiederum Bibis Kernbusiness zugutekommt!
AUDI sagt es in den Pre-Rolls selbst: Keine Courage, keine Kekse.

Macron

Was wir sehen
Pure Erleichterung. Zweidrittelmehrheit im zweiten Wahlgang. Die Guten haben gewonnen. Wir lehnen uns zurück. Alles easy. Die Guten siegen immer. Berühmte letzte Worte.

Er war Investmentbanker, ist geläutert. Glauben wir ihm. Hoffen wir. Ideen, die uns ans Portemonnaie gehen, machen uns dennoch jetzt schon nervös. Soviel Europa muss nicht sein.

Was Macron sieht
Extreme ziehen. Im ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf der Extreme! Überragender Sieg im zweiten Urnengang – allein, weil es im ersten sooo knapp wahr. Ohne Le Pens vorherige Stärke hätte er vielleicht nie gewonnen.

Was wir sehen könnten
Egal, ob Marke, Manager, Partei oder Politiker: man muss eine Geschichte erzählen können, die die Menschen mitnimmt, begeistert, damit sie sich im Zweifel – zumindest für einen Wahlgang – engagieren lassen, statt auf dem Sofa zu hocken.

Vor allem muss man eine Geschichte verkörpern können. Man braucht Ecken und Kanten, und eine Vision – mit Ecken und Kanten.

Die Unabhängigkeit Macrons, von einer Partei, von der Politikgesellschaft allgemein, von Mainstream-Meinungen und Vorurteilen, hat ihm sehr geholfen. Das sollte uns inspirieren – aber auch zu denken geben.

Trump

Was wir sehen
Ein Mensch ohne Ahnung, ohne Manieren, ohne tragfähige Vision wird von seinen Fans und Followern, von denen, die ihm vertrauen, zum Präsidenten gewählt. Während wir Witze machen und uns köstlich amüsieren – bis uns das Lachen im Halse stecken bleibt.

Was Trump sieht
Knapp 29 Millionen Twitter-Follower, direkter Kontak zur Basis, volle Aufmerksamkeit der Presse bei jedem Tweet. Er hatte nichts zu verlieren. Er setzte alles auf eine Karte und gewann. Jetzt bleibt er Always-On – und im Wahlkampf-Modus.

Was wir sehen könnten
Ein durchschnittlich erfolgreicher Unternehmer schafft es zum Präsidenten der USA. Aus eigener Kraft. Mit eigener Story. Mit minimalem Budget. Allein mit Hilfe der Medien. Und unserem Zynismus. Das ist Chance und Gefahr in einem.

Das Grand Theft Fazit für Wirtschaft und Politik

Story: Mit der richtigen Story kannst Du nahezu aus dem Nichts kommen.

Fanbase: Die Fan- oder Hater(!)-Base muss Momentum erzeugen können.

Unabhängigkeit: Idealerweise bist Du unabhängig im Handeln und Denken, damit wenig kalkulierbar. Vor allem ist das Image einer Partei – individuell und generisch – nicht Klotz an Deinem Bein. Partei- und Politikverdrossenheit sind heute beachtliche Momente.

Diversifikation: Die simpelste Chance, die Menschen zu überraschen und zu gewinnen – à la Bibi. Bist Du gut genug, kannst Du Dich auf Dein Gefühl verlassen – nicht auf Berater und Theorien. Auch als Marke oder Politiker.

Awareness: Mit der richtigen Social-Media-Direktansprache, authentisch, mit relevanten Themen, gerade so polarisierend, um Diskurs zu erzeugen, gewinnst Du die mediale Aufmerksamkeit, Word-of-Mouth- und Stammtisch(wertfrei!)-Hoheit.

(Wo war Schulz bei der Saarland- oder SH-Wahl medial? Wo sind seine Tweets, facebook-Posts, Statements, die es in die Medien schaffen? Wo waren die, die ihm vertrauen und verstanden haben, das Länderwahlen wichtige Meilensteine sind? Lindner ist mehr oder weniger der einzig national Sichtbare. Weil er verstanden hat, dass er nationale Aufmerksamkeit braucht. Weil er aus der Versenkung – via NRW – wieder ganz an die Spitze will. Er hat nichts zu verlieren. Seine Partei auch nicht. Also meistern sie den Weg gemeinsam – unter seiner klaren Führung.)

Qualität, Perfektion: Vergiss es. Done is better than perfect!

Always-On: Idealerweise bist Du always-on, ständig trending und im Gespräch. National. Dein Wahlkampf (Kampagne) beginnt nicht kurz vor einer Wahl (Launch). Jede Deiner Äußerungen, Handlungen, (Gesetzes-)Initiativen dient dem Wahlkampf. Der Gewinnung der Massen, Medien, Menschen. Entweder, um noch selbst zu lernen und zu feilen, oder die anderen noch kurz vor dem POS zu gewinnen. Immer, jederzeit, überall. Es gibt keine Kampagnen mehr – nur noch den kontinuierlichen Dialog.

Qualität, Perfektion: Vergiss es. Done is better than perfect!

In diesem Sinne! #stopmakingsense