Twitter, “Don’t Blame the Egg, Fix the Problem!” – Wenn Manager Action mit Achievement verwechseln

371 Worte |
Als Twitter sich letzte Woche umständlich mit “Rethinking our default profile photo” von seinem 7-jährigen Ei-Profilbild verabschiedete, kommentierte techcrunch dies zurecht mit Don’t Blame the Egg, just Fix the Problem

… und ich dachte: Wow, welch prägnantes pars pro toto unserer im Management grassierenden Action-/Achievement-Blindheit.
Denn zumindest seine drei größten Probleme (neben der Monetarisierung) wird Twitter mit dieser symbolischen Handlung nicht lösen. Das weiß sogar dict.leo.org: “Reiner Aktionismus wird betrieben, um Problemfindung vorzutäuschen, ohne jedoch Resultate zu bringen: Meetings ohne Ergebnisse, Reisen ohne Ziel, Worte ohne Antwort, = Aktionen ohne Resultate.” – “Aktionismus kann durch (nicht eingestandene) Machtlosigkeit oder Inkompetenz kommen. Typisches Mittel bei Krisen ohne Lösungweg“.

Dieses ‘Handlungsfähigkeit beweisen‘ des politischen und wirtschaftlichen Durchschnitts-Protagonisten wird in nullkommanichts zum allegorischen Aktionismus. Nur wenige nehmen sich noch die Zeit, Situationen so früh und profund zu durchdenken, dass diese erst gar nicht zu Problemen führen.

Die rasche Aktion an sich ist längst populärer als die relaxte Reflexion. Der Spatz in der Hand … Das Drama unserer Zeit – egal, wohin wir blicken. Aktionismus auf allen Ebenen. Inklusive aller Konsequenzen.

Aktionismus ist die Beschaffungskriminalität der Instant Gratification.

Nur wenig nehmen sich noch die Zeit, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Vielleicht wollen sie auch gar nicht. Denn Aktionismus befriedigt das Selbst. Da weiß man am Ende des Tages, was man ‘getan‘ hat. Das setzt Glückshormone frei. Berauscht. Zumindest kurzfristig. Aktionismus ist die Beschaffungskriminalität der Instant Gratification. Der Kater folgt in der nächsten Berichtsperiode.

Daher ziehen morgens ganze Heere in diesen unternehmerischen Kampf, um Zeit, Arbeit und wahren Erfolg mit selbstvernichtendem Aktionismus totzuschlagen. “Handeln um des Handelns willen” als Schlachtruf auf unsichtbaren Bannern vor sich hertragend.
Effektiver wäre, man hätte am Ende des Tages etwas ‘geleistet‘. ‘Achievement‘ nennt man dies – laut dict.leo.org: “Leistung, Erfolg, Errungenschaft, Vollendung, bedeutende Leistung“. Aber diese Trauben hängen manchem zu hoch.

Nur wenig nehmen sich die Zeit, Implikationen zu reflektieren, gar Strategien zu schmieden, Muster zu erkennen, Chancen zu identifizieren, Kollegen, Kunden, Märkte zu hören, wahre Kreativität und Innovation zuzulassen. Nur wenige trauen sich noch. Und sexy ist Denken auch nicht mehr.

So könnte “Don’t Blame the Egg, just Fix the Problem!” zum geflügelten Wort, zum Mem einer Managementkultur werden, die publikumswirksam Action mit Achievement verwechselt und lieber den Rauch als das Feuer bekämpft.